Zwischen den azurblauen Gewässern der Adria und den rauen Gipfeln der Dinarischen Alpen hat Montenegro in den letzten zehn Jahren einen erstaunlichen Anstieg der Zahl der Dollar-Millionäre verzeichnet — um 124%, wie die Daten des Berichts Henley Private Wealth Migration Report 2025 (HPWM Report).
Dieser Sprung ist Teil eines globalen Phänomens, das als „die große Vermögensmigration“ bezeichnet wird. Schätzungen von Experten zufolge werden in diesem Jahr mehr als 142.000 Millionäre auf der Suche nach politischer Stabilität, günstiger Besteuerung und einem komfortablen Lebensstil umziehen, und für 2026 wird ein neuer Rekord erwartet — 165.000 Personen.
Vermögende Menschen berücksichtigen bei der Wahl des Landes zum Leben und Investieren immer häufiger politische Risiken. Zu den attraktivsten Zielen zählen weiterhin die Schweiz, die USA und die VAE, doch in den letzten Jahren gewinnen auch weniger offensichtliche Standorte an Popularität — etwa Montenegro, Malta und Polen.
Warum Montenegro?
Laut Henley & Partners zählt das Balkenland mit etwas mehr als 600.000 Einwohnern heute rund 2.800 Millionäre. Das ist nach weltweiten Maßstäben nicht viel, doch die Wachstumsraten sind beeindruckend und übertreffen sogar anerkannte Spitzenreiter — die VAE, die Schweiz und Malta.
Eine entscheidende Rolle spielten:
- Vorteilhafte Steuersystem — ein einheitlicher Einkommensteuersatz, keine Erbschafts- und Schenkungssteuer.
- Das Programm „Staatsbürgerschaft durch Investition“ oder der „goldene Pass“, das in der Vergangenheit galt.
- Mediterraner Lebensstil — eine Kombination aus mildem Klima, gut ausgebauter touristischer Infrastruktur und luxuriöser Immobilien an der Küste.
„Montenegro ist eine einzigartige Kombination aus finanzieller Flexibilität, europäischer Erreichbarkeit und atemberaubenden Ausblicken. Für Investoren, die auf Lebensqualität ausgerichtet sind, ist es zu einem echten Glücksgriff geworden“, sagt Dominic Volek, Leiter der Abteilung für Privatkunden bei Henley & Partners.
Weitere Länder unter den Spitzenreitern beim Wachstum der Millionärszahl
Zu den Spitzenreitern beim Zuwachs wohlhabender Einwohner zählen die VAE (Zuwachs um etwa 9.800 Millionäre pro Jahr), die Schweiz, Italien, Portugal und Griechenland. Ihr Vorteil sind politische Stabilität, unternehmensfreundliche Gesetze und Aufenthaltsprogramme für Investoren.
Malta zeigt ebenfalls ein beeindruckendes Wachstum — 87 % in 10 Jahren, und Lettland — 70 %, was auf ein wachsendes Interesse an kleinen, aber wirtschaftlich offenen Ländern Osteuropas hinweist.
Westeuropa verliert Vermögen
Während einige Länder Ost- und Südeuropas von der Kapitalmigration profitieren, verzeichnen die großen westeuropäischen Volkswirtschaften einen Abfluss.
- Großbritannien ist erstmals seit einem Jahrzehnt weltweit führend beim Abzug von Millionären: Für 2025 wird die Abwanderung von 16.500 Personen erwartet (Vermögen in Höhe von rund 91,8 Mrd. $). Gründe: die Folgen des Brexit, politische Unsicherheit und die Abschaffung des non-dom-Regimes, was die Steuern auf Kapital und Erbschaften erhöht hat.
- Frankreich, Spanien und Deutschland verzeichnen ebenfalls eine negative Bilanz zwischen Zu- und Abwanderung wohlhabender Bürger. Allein unter deutschen Millionären stieg die Zahl der Anfragen nach einer alternativen Staatsbürgerschaft im Laufe eines Jahres um 114%.
Experten warnen: Eine solche Dynamik könnte die finanzielle Stabilität Europas schwächen und das Innovationspotenzial beeinträchtigen.
Was bedeutet das für Montenegro?
Das starke Wachstum der Zahl wohlhabender Einwohner könnte zum Treiber für den Bau von Luxusimmobilien, die Entwicklung der Yachthafen-Infrastruktur und den Zufluss von Investitionen in den Tourismus werden. Experten warnen jedoch: Für langfristigen Erfolg ist es für das Land wichtig, die politische Stabilität zu wahren und wettbewerbsfähige steuerliche Bedingungen beizubehalten.
Montenegro hat bereits bewiesen, dass es überraschen kann. Und wenn der Trend anhält, hat das kleine Land die Chance, sich im weltweiten Kreis der Elite-Destinationen für die reichsten Menschen des Planeten zu etablieren.
Methodik der Studie im Bericht Henley Private Wealth Migration Report
Die Daten zur globalen Migration von Millionären (HNWIs) im Bericht Henley Private Wealth Migration Report 2025 wurden in Partnerschaft mit dem Forschungsunternehmen New World Wealth erstellt, das sich auf die Analyse der Bewegungen wohlhabender Personen spezialisiert hat. Der Methodik liegen unterschiedliche Quellen zugrunde: offizielle Daten aus Investitionsprogrammen („goldene Visa“, Staatsbürgerschaft durch Investition), interne Anfragen von Henley & Partners-Kunden, Registrierungsdaten zu Immobilien und Unternehmen sowie Aktivität in professionellen Netzwerkprofilen — LinkedIn u. a. Die Höhe des prognostizierten Zu- oder Abflusses von Millionären wird berechnet als Produkt aus der Zahl der migrierenden Personen und dem durchschnittlichen Volumen liquider Vermögenswerte jeder einzelnen Person.
Die Methodik wurde jedoch von Fachleuten des Tax Justice Network kritisiert, die darauf hinweisen dass es an Transparenz fehlt, digitale Modelle mit offensichtlicher Verzerrung verwendet werden (etwa das Überwiegen „gerader“ Zahlen in den Berichten), und warnen dass „dort gezählt wird, wo Millionäre angeben, zu arbeiten“, und nicht dort, wo sie tatsächlich leben.
