Der einzige reale Kandidat auf dem Balkan
Laut dem Entwurf eines Dokuments der Europäischen Kommission, dessen Veröffentlichung mehrfach verschoben wurde (zunächst von Oktober 2025 auf Ende des Jahres und dann auf das Frühjahr 2026), befindet sich der Erweiterungsprozess der EU für die meisten Beitrittskandidaten in einer Phase der Stagnation.
Im Bericht werden die Kandidatenländer bewertet:
- Montenegro ist der absolute Spitzenreiter des Prozesses. Das Land hat alle Verhandlungskapitel eröffnet und bislang 14 davon erfolgreich abgeschlossen. Die größte Herausforderung für Podgorica besteht derzeit darin, die strengen Kriterien für den Abschluss der verbleibenden 19 Kapitel zu erfüllen.
- Albanien hat gewisse Fortschritte erzielt, indem es im vergangenen Jahr alle Verhandlungskapitel eröffnet hat, konnte jedoch bislang keines davon abschließen.
- Serbien ist ins Stocken geraten: Neue Kapitel wurden seit mehr als vier Jahren nicht eröffnet, wegen Problemen mit der Rechtsstaatlichkeit, den Beziehungen zu Russland und dem ungelösten Dialog mit dem Kosovo.
- Nordmazedonien und Bosnien und Herzegowina bleiben aufgrund innerer politischer Differenzen und langwieriger Streitigkeiten mit den Nachbarstaaten blockiert.
Das Dokument betont, dass die Integration Montenegros — eines Landes mit etwas mehr als 600.000 Einwohnern — für die Europäische Union keinerlei ernsthafte finanzielle oder institutionelle Herausforderungen darstellt. Mehr noch: Sein Beitritt ist für Brüssel selbst von entscheidender Bedeutung, um die Tragfähigkeit des Erweiterungsprozesses zu beweisen und das Vertrauen der Bürger europäischer Staaten nicht zu verlieren.
Beitrittsvertrag
Parallel zu den Bewertungen der Europäischen Kommission hat der Europäische Rat mit der Arbeit am Entwurf eines Beitrittsvertrags Montenegros zur EU (Accession Treaty). Die Einrichtung einer zuständigen Arbeitsgruppe wurde lange Zeit von Frankreich, Deutschland und den Niederlanden blockiert, die darauf bestanden, dass die EU vor der Aufnahme neuer Mitglieder interne Reformen durchführen müsse (etwa das Vetorecht einzelner Staaten überarbeiten). Am Ende wurde ein Konsens gefunden.
